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Die kubanische Energiewende

Die kubanische Energiewende

Von Dieter Seifried

Im Oktober 2012 führte das Büro Ö-quadrat in Kuba ein eigenes Projekt durch, um die Ergebnisse der kubanischen Energiewende zu untersuchen. Dafür sprach Dieter Seifried (Büro Ö-quadrat) mit verschiedenen Organisationen und sammelte vor Ort Informationen. Bereits vor der kubanischen Energiewende hatte Dieter Seifried im Rahmen der vom BMU finanzierten Studie „Sustainable Energy Policy Concepts (2002)“ der kubanischen Regierung vorgeschlagen, die Kühlgeräte zu ändern. In einem weiteren Projekt im Jahr 2004 wurde der kubanischen Regierung angeboten, neben dem Austausch von Kühlschränken auch die Finanzierung durch ein Vertragsprojekt zu übernehmen. In diesem Fall wären die Kosten für die Hochleistungskühlschränke durch die Einsparungen bei den Rohölimporten ausgeglichen worden.

Die ignorierte Energiewende

1. Verbesserung der Energieeffizienz in Haushalten und Unternehmen durch Austausch ineffizienter Geräte. Gleichzeitig Ersatz von Kochgeräten mit Kerosin und Flüssiggas durch elektrische Brenner

2. Ergänzung großer Kraftwerke mit verteilten Anlagen und Verbesserung der Übertragungs- und Verteilungsnetze

3. Entwicklung erneuerbarer Energien

4. Steigerung der Exploration und Produktion eigener fossiler Energiequellen

5. Verstärkte internationale Zusammenarbeit

6. Öffentliches Bewusstsein

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, aber auch von deutschen Energieexperten, fand in Kuba eine Energiewende statt, die in gewisser Hinsicht über die deutsche Energiewende hinausgeht. Der Verzicht auf Glühlampen zugunsten von Kompaktleuchtstofflampen (CFLs) erfolgte ebenfalls 5 Jahre früher als in Deutschland und der Europäischen Union, und die Umstellung erfolgte weltweit.

Eine überraschende und grundlegende Veränderung fand ebenfalls statt: Während zuvor die Stromversorgung in Kuba - wie in allen Ländern der Planwirtschaft 1 - auf großen Zentralkraftwerken beruhte, wurde sie während der Energiewende in dezentrale Kraftwerke investiert. Diese Änderung ebnete den Weg für die weitere Entwicklung erneuerbarer Energien, die innerhalb eines zentral geplanten Energiesystems kaum umgesetzt werden konnten.


Die Motivation für dieses umfassende Renovierungsprogramm war in Kuba weit weniger der Kampf gegen den Klimawandel als die technische und wirtschaftliche Notwendigkeit: aufgrund der Alterung und schlechten Wartung von Kraftwerken und Stromnetzen sowie der Auswirkungen zweier Hurrikane in den Jahren 2004 und 2005 In einem großen Teil des Landes kam es fast täglich zu Stromausfällen. Allein im Jahr 2005 gab es nicht weniger als 224 Tage mit ausgedehnten Stromausfällen von mehr als einer Stunde, die Industrie und Haushalte lähmten. 2. Mit der Energiewende konnten Stromausfälle aufgrund mangelnder Erzeugungskapazität bis 2007 vermieden werden.

Die Transformationen auf technischer Ebene wurden durch begleitende Maßnahmen unterstützt, die auch für Deutschland und andere Länder interessant sein könnten: Ineffiziente Haushaltsgeräte wurden durch effizientere Geräte ersetzt, und parallel dazu wurden die Stromtarife innerhalb einer progressiven Tarifstruktur so angepasst, dass die Großverbraucher dies tun viel mehr bezahlen. Darüber hinaus wurde der Kauf effizienter Elektrogeräte durch sogenannte Sozialkredite unterstützt. Sozialkredite, weil ihre Bedingungen wie Zinssatz und Rückzahlungsfrist an das Einkommen und die Zahlungsfähigkeit der Haushalte angepasst wurden.

Die kubanische Energiewende kann durch sechs Hauptkomponenten charakterisiert werden (siehe Seite 2). Die folgende Präsentation konzentriert sich auf die ersten beiden Komponenten. Die anderen Punkte werden nur erwähnt und entwickelt, wenn dies für ein Verständnis des gesamten Prozesses als notwendig erachtet wird.

Der folgende Bericht basiert auf einer Analyse des Büro Ö-quadrat. Zur Datenerfassung führte Dieter Seifried vor Ort Interviews mit verschiedenen Personen und Organisationen.

Austausch ineffizienter Geräte

Die kubanische Energiewende begann im Juli 2005 mit einem umfangreichen Programm zum Austausch von Glühbirnen. In weniger als einem Jahr gelang es Sozialarbeitern und studentischen Freiwilligen, mehr als neun Millionen Glühlampen in Haushalten durch Kompaktleuchtstofflampen (Energiesparlampen) zu ersetzen. Unter der Annahme, dass in den 3,3 Millionen kubanischen Haushalten durchschnittlich 60 Stunden pro Tag zwei 60-Watt-Lampen pro Haus eingeschaltet werden, wird eine jährliche Einsparung von 354 Millionen kWh berechnet, was etwa 3 bis 4% des gesamten Stroms entspricht in Kuba konsumiert.

Da Energiesparlampen eine etwa zehnmal längere Lebensdauer als Glühlampen haben, sind die Investitionskosten für diese Energiesparlampen geringer als die Kosten für zehnmal mehr Glühlampen. Die sozialen Kosten, die mit der Arbeitsbelastung von Sozialarbeitern und Studenten für den Austausch der Glühbirnen verbunden sind, werden hier nicht berücksichtigt. In erster Näherung kann zugegeben werden, dass der Austausch von Glühbirnen keine zusätzlichen Kosten für die Volkswirtschaft verursacht hat. Angesichts der Tatsache, dass die variablen Kosten für die Stromerzeugung in Kuba angesichts des aktuellen Rohölpreises auf dem internationalen Markt etwa 20 Euro 5 betragen, könnten allein dank der Energieeinsparungen jährlich etwa 71 Millionen Euro an Stromerzeugungskosten eingespart werden dass diese Maßnahme erlaubt. Diese einfache Berechnung berücksichtigt nicht, dass Energieeinsparungen auch die Verluste in den Netzen, die Auswirkungen von Kraftwerksemissionen auf die Umwelt und die durch die Erweiterung des Energieparks verursachten Kosten verringern.

Derzeit erwägt Kuba, CFLs durch LED-Lampen zu ersetzen. Aufgrund der längeren Lebensdauer von LEDs und der höheren Lichtleistung pro Watt lohnt sich diese Energiesparmaßnahme auch wirtschaftlich.

Zusätzlich zu den Lampen wurden die gepatchten Lüfter durch effizientere Geräte ersetzt. Nach Angaben der Electric Union (UNE), dem nationalen Energieversorger, wurden 1,04 Millionen Geräte ersetzt. Während 30 bis 40 Watt für einen einigermaßen effizienten Lüfter ausreichen, benötigten viele Heimgeräte mehr als 100 Watt, um zu funktionieren. Wenn Sie eine Nutzung von 1.000 Stunden pro Jahr und Haushalt in Betracht ziehen, ermöglicht der Austausch eine jährliche Einsparung von ca. 60 Millionen Kilowattstunden. Die Anfangsinvestition von rund 10 Millionen Euro muss mit einer jährlichen Einsparung von rund 12 Millionen Euro verglichen werden.

Die größten Energieverbraucher in kubanischen Haushalten waren veraltete Kühlschränke. Der durchschnittliche jährliche Stromverbrauch eines kubanischen Haushalts betrug 1.668

Sozialkredite in Kuba

Um im Rahmen der Energiewende den Kauf effizienter Geräte zu ermöglichen, hatten kubanische Haushalte Zugang zu einem Kreditprogramm, das speziell für diese Energiewende geschaffen wurde und das sich dadurch auszeichnet, dass die Kreditbedingungen wie z da der Zinssatz und die Rückzahlungsfrist an die Kapazität des Kreditnehmers angepasst wurden.

Die Kubaner haben durch dieses Kreditprogramm insgesamt 4,6 Millionen Artikel mit einem Gesamtwert von 9 Milliarden Pesos finanziert. Das "Cuban Banking" hat folgenden Kreditbedingungen zugestimmt: Für ein monatliches Einkommen von bis zu 225 kubanischen Pesos wurde ein Jahreszins von 2% mit einer Rückzahlungsfrist von 10 Jahren angeboten.

Die Bedingungen für den Kreditnehmer werden mit steigendem Einkommen ungünstiger (siehe Tabelle 5). Ab einem monatlichen Einkommen von 1.801 CUP wurden keine Kredite mehr gewährt

Der vollständige Bericht hat 36 Seiten und kann im PDF-Format unter folgendem Link heruntergeladen werden: http://www.oe2.de/referenzprojekte/la-revolucion-energetica-cubana/?L=2

Büro Ö-quadrat


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